Ein berechtigtes Gefühl

Eins vorweg: Grundsätzlich hat jedes Gefühl seine Berechtigung. Es ist da, es hat seinen Auslöser, also ist es berechtigt. Dabei ist es gar nicht nötig, auf jedes Gefühl einzeln einzugehen.

Berechtigte Gefühle sind jedoch nicht automatisch gerecht oder gesund.  Es ist gut, sie bewusst wahr zu nehmen, denn nur dann ist es möglich, sie zu hinterfragen. Das ist sicher nicht bei jedem Gefühl nötig, doch da, wo es auch andere Menschen betrifft, denke ich darüber nach. Das hat mir sehr geholfen alte, schlechte Gefühle immer mehr abzulegen oder sie schneller in den Griff zu bekommen.

Es geht nicht darum, sich selber für alles die Schuld zu geben sondern davon weg zu kommen immer auf der Suche nach der Schuldfrage zu sein. Für mich ist das eher so etwas wie Ursachenforschung.

Der erste wichtige Schritt war für mich in meiner ersten Therapiestunde die Aussage: „Und Sie haben das alles mit sich machen lassen.“. Das saß erst einmal doch nahm es mir auch den Schleier von den Augen. Ich sah mich damals als ständiges Opfer von Menschen, die mich schlecht behandelten. Natürlich haben auch diese Menschen eine Verantwortung für das was sie tun. Ich kann sie aber nicht ändern. Ich kann nur ändern, wen ich wie in mein Leben lasse. Dass ich mir selber diese Menschen aussuchte, aus alter Gewohnheit heraus, war mir jedoch nicht bewusst. Ich dachte, sie suchen mich aus. Was sicher auch möglich ist. Doch, wer zwingt mich, sie in mein Leben rein zu lassen, bzw. sie in meinem Leben drin zu lassen?

Es ist übrigens möglich, sein Verhalten in dieser Hinsicht zu ändern, ohne selbst ein völlig anderer Mensch zu werden.

Ich verstehe nur zu gut Gedanken wie:

  • Ich habe die Nase voll! Wenn es nötig ist, ein Arschloch zu werden, dann werde ich eben eins. Offensichtlich wollen sie das ja nicht anders.

Haha, als ginge das so einfach. Bzw. wollte ich das überhaupt? NEIN! Es geht nicht darum, sich selber wie ein Arschloch zu verhalten oder seine ganze Persönlichkeit zu verändern sondern sich zu schützen. Sich fern zu halten von Menschen, die einem nicht gut tun, die einen ausnutzen wollen. Nein sagen, wenn es sich nach Nein anfühlt oder Ja, wenn es sich nach Ja anfühlt, mit der Bereitschaft, alle Konsequenzen die meine Entscheidungen mit sich bringen, auch zu tragen.

Raus aus der Opfer- und Klage-Rolle. Verantwortung übernehmen für mein Leben.

Das Recht für mich zu sorgen, nein zu sagen, Kontakte abzubrechen, die mir nicht gut tun, dieses Recht hat jeder. Somit auch die Menschen, die sich entscheiden mein Leben zu verlassen. Das Bewusstsein dafür, macht es nicht leichter Menschen, die man gern hat, los zu lassen. Traurig ist man trotzdem. Doch dann sehe ich: Sie sorgen auch für sich, das ist ok und richtig so und es steht mir nicht zu, über sie zu urteilen.

 

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2 Gedanken zu “Ein berechtigtes Gefühl

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