Der Multitasking-Wahn

Multitasking: „Der Begriff ist wissenschaftlich noch nicht exakt definiert; Lee und Taatgen[2] beschreiben es als die „Fähigkeit, die Anforderungen mehrerer Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen“. Salvucci[3] beschreibt als Multitasking, „wie Personen mehrere (Unter-)Aufgaben in den Kontext einer größeren, komplexen Aufgabe integrieren und durchführen“. In Ergänzung dazu ist in der englischsprachigen Fachliteratur auch noch von continuous partial attention („ununterbrochen teilweise Aufmerksamkeit“) die Rede, was die Aufnahmefähigkeit für gleichzeitige und möglicherweise verschiedenartige Reize beschreibt.“

So steht es in Wikipedia.

Es ging also mal darum, Arbeiten nicht in der gleichen Sekunde zu erledigen, sondern im Wechsel über einen bestimmten Zeitraum. Heute entsteht immer mehr der Eindruck, dass Menschen glauben, nur dann wenn sie in der Lage sind 3 und mehr Dinge im selben Moment zu tun, sind sie etwas wert. Ich habe da immer ein Bild von einer Krake mit 8 Armen im Kopf. Tatsächlich ist es so, dass das Gehirn gar nicht in der Lage ist, Dinge, für die es die gleichen Hirnregionen benötigt, gleichzeitig zu tun. Wenn wir also etwas im Fernsehen/Radio hören, können wir nicht gleichzeitig einer Person zuhören, die etwas erzählt. Man bekommt nur das mit, auf das man sich gerade konzentriert. Oder eben überall die Hälfte.

Ist das wirklich erstrebenswert? Ich denke nicht. Ich komme – für mich – immer mehr zu dem Schluss, mich auf das zu konzentrieren, was ich gerade tue. Wenn ich also trainieren gehe, dann trainiere ich. Ich muss mich nicht immer gleichzeitig auch noch per Ohrstöpsel berieseln lassen. Sei es durch Musik oder Podcasts. Wenn ich spazieren gehe oder im Garten arbeite, dann konzentriere ich mich darauf, genieße ich bewusst was ich sehe, rieche, fühle oder lasse auch mal meinen Gedanken freien Lauf. Wie oft macht man das noch? Seinen Gedanken freien Lauf lassen, anstatt sich ständig mit irgendetwas abzulenken? Ist es nicht inzwischen eher eine Kunst, sich nur auf eine Sache, einen Menschen zu konzentrieren? Nur dieser einen Sache, seine volle Aufmerksamkeit zu widmen? Achtsamkeit ist das magische Wort, das wir langsam aber sicher verlernen. Achtsamkeit und Wertschätzung. Gegenüber den Dingen, die wir tun, erst recht gegenüber Menschen und nicht zuletzt uns selbst gegenüber.

Daran sollten die Menschen arbeiten. Daran werde ich arbeiten. Wenn mehr Menschen das wieder tun, geht es sicher vielen besser.

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2 Gedanken zu “Der Multitasking-Wahn

  1. Es ist auch viel gesünder, immer nur eine Sache zu tun. Das versuche ich auch seit ein paar Jahren. Klappt nicht immer in dieser hektischen Zeit, aber nichts ist wertvoller als die eigene Gesundheit.
    Liebe Grüße und einen schönen Tag,
    Dana

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