Motivationstweets/-sprüche wissen nichts davon, was mir tatsächlich gut tut.

Dass ich zur Zeit wieder verstärkt mit meinen depressiven Stimmungen kämpfe, dürfte wohl kein Geheimnis mehr sein. Zumindest für die, die mich regelmäßig lesen.

Viele, sehr schnell aufeinanderfolgende Ereignisse, die mich schlichtweg überforderten, weil das Nächste folgte, bevor ich das Erste verarbeitet hatte, brachten mein Fass zum überlaufen. Jedes einzeln für sich, wäre kein Problem gewesen. Dafür bin ich mittlerweile stark genug. Doch das Leben wartet nun einmal nicht sondern macht einfach weiter.

Was ich in diesen Zeiten nur schlecht ertragen kann, sind Menschen, die meinen, Sie müssten mir erzählen, wie ich mit dieser Situationen umzugehen habe. Was ich darf, soll, muss, kann.

Kurz: Menschen, die glauben, sie wüssten besser als ich was mir gut tut.

Menschen, die wissen, dass ich zwei intensive Psychotherapien hinter mir habe. Menschen, die sehen, wie ich mit meiner Situation umgehe, die mich – wenn es mir gut geht – loben, wie toll ich das alles mache, wie klasse ich mich entwickle.

Da kommen allgemein gehaltene Sätze wie:

  • Man darf sich da nicht einigeln.
  • Man muss rausgehen
  • sich ablenken
  • sich Projekte suchen

 

Die, die den ganzen Sommer zur Verfügung stand, weil es ihr gut ging, weil sie spontan und unternehmungslustig ist, für fast jeden Scheiß zu haben, steht auf einmal nicht mehr zur Verfügung. Das ist für Nicht-Depressive schwer nachvollziehbar. Ich verstehe das. Aber ich sehe auch, dass die Motivationsabsichten ein wenig egoistisch sind. Denn diese Motivationen helfen nicht mir. Sie sollen dazu führen, dass ich wieder zur Verfügung stehe. Das Problem liegt dann nicht bei mir, sondern bei den Menschen, die nicht aushalten können, dass ich in dieser Phase anders bin, anderes brauche.

„Das bist nicht DU.“

Doch. Bin ich. Auch das bin ich.

Ich habe in den ganzen 11 Jahren 3 Tage im Büro gefehlt wg der Depression. Ganz zu Anfang. Mehr nicht. Das ist keine Glanzleistung sondern war für mich der einzig richtige Weg. Die Gründe dafür kenne ich und wenige Eingeweihte. Und genau darum geht es. So, wie ich damit umgehe, das ist keine Anleitung sondern nur für MICH der richtige Weg. Entscheiden, was für mich richtig ist, kann nur ICH und sonst niemand. Weil nur ich fühle, was mir gut tut und was nicht. Das gleiche gilt für andere.

Meine Therapeutinnen haben mir nie gesagt, was ich tun soll. Es sei denn, ich habe gezielt danach gefragt. Ziel meiner Therapien war immer, dass ich selbst herausfinde, was mir gut tut und was nicht. Sie waren Hilfestellung, um meinen eigenen Weg zu finden.

Ich bin von montags bis donnerstags 12 – 14 Stunden außer Haus. Ich habe Hobbies, Freunde, Interessen mehr als ich auf einmal bewältigen kann, so dass ich aufpassen muss, mich damit nicht zu überfordern.

Aber wenn mich Gefühle und Eindrücke überrennen, dann brauche ich Ruhe. Dann will ich auch mal allein sein und bin inzwischen gerne allein. Ich brauche diese Zeit um Gefühle und Gedanken zu sortieren. Die richtigen und guten Gefühle von den schlechten zu trennen. Ich muss in Ruhe sortieren welche Gefühle, Eindrücke und Gedanken wahr sind und welche von der Depression fehlgeleitet. Und ich brauche Ruhe um mich zu erholen. Kraft zu tanken. Um Entscheidungen zu treffen. Man darf mich dann ruhig besuchen. Gemütliche Filmabende bei Freunden sind ebenfalls ok. Aber rausgehen, Party machen, viele (fremde) Menschen, shoppen etc. sind dann Gift für mich, sie überfordern mich schlichtweg.

Überlasst das Therapieren den Fachleuten. Seid da, fragt was die oder der Depressive will. Was ihr tun könnt. Oft werden sie „nichts“ antworten, weil es so ist. Man kann das nur durchstehen, den Rest muss der Betroffene selber schaffen.

Es waren nie Ratschläge die mir halfen. Sie kamen nicht aus mir, ich konnte sie nicht fühlen. Mir hilft das, was ich fühlen kann. Oft waren es Aha-Erlebnisse aus Gehörtem oder Gesagtem, die gar nicht direkt an mich gerichtet waren. Man horcht auf und denkt: Das isses! Das kann ich nachvollziehen, das probiere ich aus. Ungefähr in der Form passiert das.

Am Wochenende war es für mich z. B. dieser Tweet, der mich aufstehen ließ, der mir Antrieb gab. Der dafür sorgte, dass ich mit dem Rad durch den Wald fuhr um dann im Fitness-Studio 2 Std. zu trainieren. Er tauchte im richtigen Moment in meiner Timeline auf. Nicht an mich gerichtet, sondern für sich selbst geschrieben. Ein glücklicher Zufall. Vielen Dank dafür ❤

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