Aufmerksamkeit bekommt das, was schwer zu haben ist.

Ich schreibe das ohne Bitterkeit, weil ich glaube, dass das einfach in der Natur des Menschen liegt, so zu reagieren. Ausnahmen bestätigen meistens die Regel. Es gibt sie, man muss sie nur sehen.

Es ist einfach so, dass ich das schon seit vielen Jahren immer wieder beobachtet habe. In meiner eigenen Familie, bei meinen Kindern, bei mir selber, im privaten Bereich und im Internet. Man findet dieses Verhalten überall.

Das fängt in der Kunst an. Das, was rar ist, steigt im Wert. Massenware, Dinge, an die man leicht kommt, sinken im Wert. Sogar dann, wenn die Qualität besser ist. Es ist eben nichts Besonderes mehr. Oder der Künstler lebt noch. Dann kann ja noch genügend nachkommen. Sobald er stirbt, steigt der Wert seiner Kunst. Aber ok, lassen wir das mit der Kunst, auch dort gibt es Ausnahmen. Auch dort liegt der Wert im Auge des Betrachters. Aber nur dort?

Was ist mit Twitter? Ich habe noch nie beobachtet, dass jemand einen Screenshot davon macht, wenn ein „kleiner“ Account einem folgt bzw. zurückfolgt und einen Freudentanz deshalb macht. Was für ein Aufstand wird oft betrieben, wenn einer von den „großen“ Accounts zurückfolgt. Einer, dem man schon so lange folgt, Aufmerksamkeit schenkt, favt und retweetet was das Zeug hält. Einer, der sehr in der Öffentlichkeit steht. Er oder sie folgt zurück. Halleluja! Es wird gefeiert, bevor er auch nur einen einzigen Tweet von euch/uns zurück gefavt hat. Manchmal bleibt es auch dabei. Es wird nur gefolgt. Die Favs oder Retweets kann man sich denken. Ich schließe mich da gar nicht aus. Ist mir auch schon passiert. Anfängerirrtum. Inzwischen denke ich darüber anders.

Im zwischenmenschlichen Bereich ist es oft genauso. Wer uns seine Zuneigung auf dem Silbertablett serviert, ist vielleicht am Anfang interessant. Man fühlt sich gebauchpinselt, genießt die bedingungslose Aufmerksamkeit und Zuneigung, doch bald schon verliert sich das. Es wird zur Gewohnheit, das Interesse lässt nach. Verliebt wird sich in solche Menschen nur selten. Interessanter sind die, um die man kämpfen muss, die fast unerreichbar erscheinen und das oft genug auch bleiben. Um diese unerfüllte Liebe kann dann ausgiebig getrauert werden. Dass man für jemand anderes genauso eine unerfüllte Liebe ist, weil man ihn oder sie gar nicht wahrnahm, ist da nebensächlich.

Ja, auch das ist mir schon passiert. Vielleicht erkenne ich die Muster deshalb so gut.

Ebenso habe ich das im familiären Bereich immer wieder gesehen. Z.B. bei getrennt lebenden Eltern. Das Elternteil, bei dem die Kinder bleiben, dass sich rührend kümmert, rotiert, immer da ist. Es ist halt da. Es wird mit Sicherheit auch geliebt und es wird wahrgenommen, was dieses Elternteil für sie tut. Es wird nur oft nicht gezeigt, weil es eben normal ist. Das andere Elternteil, das sich ab und zu mal einbringt, hin und wieder Aufmerksamkeit schenkt, unbelastet von den alltäglichen Problemen, das kommt auf den Sockel. Über diese Person wird sich ein Loch in den Bauch gefreut, wenn sie ein Versprechen hält (mal). Wenn sie den Kindern das ab und zu schenkt, was sie sich wünschen.

Der andere Teil, der das immer tut, erlebt das nur selten. Das ist einfach so und liegt in der Natur der Sache. Nicht immer schön aber menschlich.

Und das alles erklärt dann auch so ein Verhalten wie von Dunkelbunt beobachtet (auch wenn es Erwachsene waren, die so etwas sagten):

 

Einigen wir uns darauf, dass für Kinder jeder Elternteil ein Held ist, der zur Aufführung erscheint. Es fällt nur mehr auf, wenn er seltener kommt.

Damit danke ich für euer Interesse.

Alles Liebe und viel Kraft für euch! ❤

Eure Silent Write

 

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3 Gedanken zu “Aufmerksamkeit bekommt das, was schwer zu haben ist.

  1. Ja, es ist so. Ich sage das tatsächlich mit einer gewissen Bitterkeit, da ich es zu spät erkannt habe. Ich habe mich all die Jahre um meine Mutter gekümmert, was einfach mal ganz selbstverständlich war, während mein Bruder gefeiert wurde, wenn er alle paar Monate mal auftauchte. Ich hätte wahnsinnig gern mit ihm getauscht. Was folgte, war eine Art Zwang, mich in Beziehungen rar zu machen. Bindungsangst per Exzellenz. Aber auch das finde ich nicht wirklich befriedigend, wenngleich es dem Ego schmeichelt, auch mal idealisiert zu werden. Es ist ja nur das Bild, die Projektion, die dann so geliebt wird, denke ich. Noch immer habe ich wohl nicht den richtigen Weg für mich entdeckt. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wichtig, was andere denken. Möchte ich mit einem Menschen zusammen sein, dann bin ich das. Wenn nicht, dann nicht. Und Twitter habe ich sowieso noch nie kapiert.

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  2. Vielen Dank für deine ehrlichen Worte. So wie du es beschreibst, erfahre ich es als Wochenendvater von meinen Kindern. Sie freuen sich alleine über meine bloße Anwesenheit und zeigen das auch klar und deutlich. Dieses Feedback freut mich natürlich, berührt mich aber auf der anderen Seite unangenehm in dem Bewusstsein, dass ich eben die meiste Zeit /nicht/ anwesend bin. Diese Freude erscheint mir dadurch ungerechtfertigt. (Mit Kritik an meiner Anwesenheit könnte ich besser umgehen, aber das ist eine andere Geschichte.) Das Verhalten der Kinder ist direkt und ohne Hintergedanken und daher allzu natürlich. Ich halte es für falsch, es zu korrigieren. Wertschätzung oder Freude kann man ja auch aufnehmen, ohne als Held gefeiert werden zu müssen, finde ich. Meiner Meinung ist es dann eher wichtig, dass an der Stelle die Leistung des Partners besonders ins Bewusstsein der Kinder gerufen wird. Das wäre z.B. die Rolle des Ab-und-Zu-Partners, die Kinder darauf hinzuschubsen.
    Man ist selten davor gefeit, die Mühen und das Sorgen eines Menschen nach einer Zeit selbstverständlich zu nehmen. Das ist wohl wirklich in der Natur der Menschen verankert. Es entbindet einen daher nicht einer gewissen Denkarbeit, sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass keine stillen Kräfte wirken, sondern ein Mensch mit Gefühlen, Grenzen und eigenen Bedürfnissen.

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